| „Brocksel“ war als Sivestergericht eine
ausschließliche Spezialität unserer Gegend. Es gibt sie an der unteren Lahn, im Einrich und im Unterwesterwald (einen Nachweis gibt es aus Ransbach-Baumbach) sonst nirgends in ganz Deutschland, so wird noch 1953 berichtet. Rezept: Nimm 2 Liter guten Kornschnaps, weiche 1/2 kg Zucker in Wasser auf, schneide 1/2 kg Lebkuchen in kleine viereckige Stückchen, vereine das alles zu einer innigen Gemeinschaft, lass ihm einige Zeit zu engster Verbindung; fertig ist der reinste Göttertrank! Dazu ein Zitat aus der Westerwälder Zeitung von 1879: Ein ganz entsetzliches Essen ist das in der Gegend von Hadamar bei feierlichen Gelegenheiten aufgetischte „Brocksel“. Dasselbe besteht nach dem „Rhein. Cour.“ Aus einer großen Schüssel voll Schnaps, in welchen Leb- und Honigkuchen gebrockt wird, und an dem nicht nur das männliche, sondern auch das schöne Geschlecht Theil nimmt. Diese Suppe wird nun mit einem Löffel, der taktmäßig von Hand zu Hand und Mund zu Mund wandert, in kühnem Wetteifer verzehrt. Die Folge dieses Essens will ich hier aus Respekt vor der Menschheit nicht schildern. Wenn Lesern diese „Spezialität“ auch aus dem Bad Marienberger Raum noch bekannt ist, die Gesellschaft für Heimatkunde im Westerwald-Verein e.V. würde sich über eine Nachricht sehr freuen. Anschrift: GfH Arbeitskreis Brauchtum, Langgasse 1a, 56470 Bad Marienberg oder Mail-Adresse karl-kessler@online.de |
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Erste urkundliche Erwähnung des Stöffels |
| In einer Urkunde vom Mai 1263 bekunden
Gerhard, Herr von Wildenburg, und seine Frau Adelheid (Aleydis), dass sie
dem Abt und Konvent von Marienstatt, Cistercienserordens, 7 Mark Kölner
Pfennige jährlich Gülte aus ihren Gütern im Stöffel (in deme Stuuille)
in der Pfarrei Höhn für 73 Mk. Kölnisch, die diese ihnen bezahlt haben,
verkauft haben. Sie haben an dem Ort, wo die Güter liegen, in Gegenwart
der Pfarrgenossen von Höhn und vieler anderer mit Hand und Halm auf den
Zins verzichtet und sollen Währschaft leisten. – Zeugen: Gerhard,
Pastor in Wissen, Adolf, Ludwig der Schwarze und Maurus, die Ritter.
Siegel des Ausstellers und des Grafen Gottfried von Sayn. Die Urkunde
befindet sich im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden, Abt. 74,48 Mit Stöffel ist der ostwärts Enspel zwischen Hornister und Großer Nister gelegene Berg benannt. Man kann wohl davon ausgehen, dass die alte Bezeichnung Stuuille auf das Wort „Stuhl“ zurückzuführen ist = stuhlähnlicher Basaltfelsen auf der alten Bergeshöhe. (vergl. „Steinerner Stuhl“ zwischen Großer Nister und Hirzbach zwischen Unnau-Korb und Dehlingen) Die Mitteilungen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Wiesbaden, berichten 1904/05, S.68: Eine mehrtägige Reise,, welche der Museumsdirektor (Ritterling) in einen Teil des Oberwesterwaldes zur Besichtigung und Aufsuchung alter Befestigungen unternahm, ergab mehrere bisher noch unbekannte Anlagen verschiedenster Art, so bei Alpenrod (Motte Nöchel), bei Streithausen (Motte) und bei Enspel auf dem „Stöffel“. Spätere Untersuchungsergebnisse vom Stöffel sind nicht bekannt, bzw. wurden durch den damals beginnenden Basaltabbau nicht weiter verfolgt. 1263 in deme Stuuille 1330 inme Stuffil 1490 in den Stuffel 1590 im Stieffel 1595 im Stoffel 1621 Stöffel 1738 Stieffel Im engeren Sinn nannte man Stockum, Enspel und Büdingen die drei Dörfer im Stöffel, die im 16. Jahrhundert zeitweise zum Kirchspiel Marienberg gehörten und erst 1628 zum Kirchspiel Rotenhain zurückkamen. Der Stöffel war noch 1738 ein gemeinsamer Wald dieser drei Gemeinden. Lit.: Gensicke, Hellmuth, Landesgeschichte des Westerwaldes, Wiesbaden 1958 Struck, Wolf-Heino: Das Cistercienserkloster Marienstatt im Mittelalter, Wiesbaden 1965 Zusammengestellt und bearbeitet von Karl Kessler |
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Zur Geologie des Hillscheider Raumes |
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Lage: Als ein Teil des Kannenbäckerlandes
liegt Hillscheid zwischen der unteren Lahn und dem Mittelrheinischen
Becken am Westhang der Montabaurer Höhe und gehört zur
Landschaftseinheit des Niederwesterwaldes, der südwestlich von Hillscheid
zum Rhein hin stark zertalt ist und Gebirgscharakter zeigt. Hillscheid gehört
mit den Orten des Kannenbäckerlandes, das mehr oder minder zusammenhängend
waldbedeckt und nur durch größere Siedlungen unterbrochen ist, mit
Ausnahme von Arzbach im Rhein-Lahnkreis, zum Westerwaldkreis im nordöstlichen
Teil des Landes Rheinland-Pfalz. |
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Gesellschaft
für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 27.11.11