Einheimische
und Gäste auf regionalgeschichtlicher Spurensuche oberhalb
von Bad Marienberg - Details am Wegesrand, die sonst meistens
nicht wahrgenommen werden
Exkursion:
Bodendenkmäler inmitten eines wichtigen Erholungsraumes -
Bergbaugeschichte belegt. Steinernen Zeugen und sogar dem
Teufel auf der Spur waren Wanderer, die sich mit Karl Kessler
auf eine Exkursion nahe Bad Marienberg begaben.
BAD MARIENBERG. Zu einer geologisch-historischen
Wanderung machten sich am Wochenende bei strahlendem
Sonnenschein rund 40 Interessierte in den Bad Marienberger
Stadtwald auf, um unter der Führung von Karl Kessler mehr
über die eigene Heimat zu erfahren. Solche Touren werden vom
Regionalgeschichtlichen Arbeitskreis innerhalb der
Gesellschaft für Heimatkunde (GfH) regelmäßig organisiert.
Start der etwa dreieinhalb Kilometer langen Strecke war am
DRK-Seniorenwohnheim "Sonnenhof", wo Kessler zur
Einführung einige Fakten zur Stadtentwicklung Bad
Marienbergs nannte. Marienberg, das 1258 erstmals urkundlich
erwähnt wird, erhielt 1939 Stadtrechte und 1967 den Beinamen
Bad. Inzwischen leben hier, Stadtteile eingeschlossen, etwa
6500 Menschen.
Nach diesem ersten Überblick ging es für die Gruppe durch
die aufblühende Natur zur ersten Station: einem alten
Meilerplatz. Vor Ort konnten die Teilnehmer sich selbst auf
die Spurensuche nach historischen Zeugnissen, kleinen
Kohlestücken, begeben, und sie wurden fündig. Ähnliches
galt auch bei der zweiten Station, wo ein Schlackenhügel
unter die Lupe genommen wurde.
Auf die vielen Fragen konnte Kessler umfangreiche Antworten
geben, wobei er von Forstdirektor a.D. Klaus Volkening
unterstützt wurde. Durch die detailgenauen Erläuterungen,
die durch Dokumente und Fundmaterial ergänzt wurden, bekamen
die neugierigen Wanderer ein gutes Bild vom Leben und
Arbeiten der Menschen früher und der Beschaffenheit des
Gesteins. Dabei verschwiegen die beiden Fachleute ihre Kritik
am häufig falschen Umgang mit solchen Bodendenkmälern
nicht.
Dennoch blieb die Exkursion stets unterhaltsam, manch
humorvolle Anmerkung wurde vorgetragen. So auch bei der
Besichtigung einer kleinen Quelle, bei der Betrachtung des
kleinen Wolfsteins oder in der ehemaligen Braunkohlegrube
"Concordia", wo Schachtanlage und Berghäuschen
noch gut erhalten sind. Somit wurde die Tour zur Geschichte
zum Anfassen. Eingeschoben in die Vorträge wurden immer
wieder Äußerungen, die die Bedeutung des Erholungsraumes
Westerwald und die Dringlichkeit seiner Bewahrung
hervorhoben.
Mystisch und sagenumwoben ging es zu, als die Gruppe den
Großen Wolfstein erreichte. Der Legende nach soll dieses
Basaltmassiv vom Teufel persönlich geschaffen worden sein.
Tatsächliche Belege konnte Kessler hingegen für die
ehemalige menschliche Zivilisation in der Wüstung "Zur
Höhe" liefern. Beendet wurde die Exkursion an der
Grenze zwischen der Haiger Mark und der Herborner Mark, wo
noch ein alter Grenzstein zu sehen ist. Auf Grund des erneut
großen Interesses will Kessler im Herbst eine ähnliche
Wanderung auf der geographischen Gegenseite Richtung
Eichenstruth anbieten.
Nadja Hoffmann
(Aus Westerwälder Zeitung
vom: 8. 4. 2002)

Gesellschaft
für Heimatkunde im Westerwald - Verein
letzte Bearbeitung: 31.03.03
|